Machbarkeitsstudie abgeschlossen – Ergebnisse veröffentlicht

22. Februar 2019 6 Kommentare

Das gemeinsame Straßenbauamt der Landkreise Esslingen und Göppingen hat in den letzten Monaten unter Mitwirkung der Fachbüros RV-K Radverkehr-Konzept aus Frankfurt/ Main und TTK Transport Technologie-Consult aus Karlsruhe eine Empfehlung für den Radschnellweg Neckartal zwischen Reichenbach a.d.F. und Stuttgart Hedelfingen erarbeitet. Die Untersuchungen wurden in enger Abstimmung mit den Anrainerkommunen Esslingen am Neckar, Altbach, Deizisau, Plochingen und Reichenbach a.d.F. sowie der Landeshauptstadt Stuttgart und dem Landkreis Göppingen durchgeführt.

„Mit der jetzt vorliegenden Machbarkeitsstudie sind wir unserem Ziel, eine Radschnellverbindung zwischen Reichenbach an der Fils und Stuttgart zu schaffen, einen großen Schritt nähergekommen,“ so Landrat Heinz Eininger. „Der Radschnellweg steigert die Attraktivität des Radverkehrs und eröffnet entlang des Neckars ein alternatives Angebot zu den bestehenden Verkehrsformen. Wir hoffen, gerade in Verbindung mit Elektrofahrrädern, viele Menschen zum Umstieg auf das Rad motivieren zu können.“

„Unsere Machbarkeitsstudie ist keine Straßenplanung,“ führte Landrat Eininger bei ihrer Vorstellung am Freitag, dem 22. Februar vor Pressevertretern im Esslinger Landratsamt aus. „Die Studie haben wir kürzlich dem Verkehrsministerium und dem Regierungspräsidium Stuttgart übergeben. Sie ist eine gute Grundlage für die jetzt notwendig werdenden weitergehenden Planungen des Landes.“

Das Land werde die weiteren Detailplanungen für den Streckenverlauf und den Bau der Radschnellverbindung jetzt übernehmen. Der Radschnellweg Neckartal solle künftig in die Baulast des Landes – also einer Landesstraße gleichgestellt – übergehen. „Es war eine richtungsweisende Entscheidung des Landes, durch die Änderung des Straßengesetztes die Möglichkeit zu eröffnen, für solche Radschnellverbindungen mit regionaler und überregionaler Verbindungsfunktion die Baulastträgerschaft zu übernehmen,“ unterstrich Landrat Eininger. Dies ermögliche einen schnellen Baubeginn.

Insgesamt führt der Radschnellweg Neckartal von der Kreisgrenze bei Reichenbach an der Fils über knapp 20 Kilometer bis in die Landeshauptstadt Stuttgart. Im Bereich der Stadt Esslingen wird eine ca. 6 km lange Doppelführung empfohlen. „Es ist ein zukunftsweisendes Zeichen, dass sowohl unser Nachbarlandkreis Göppingen, als auch die Landeshauptstadt ein Andocken an unser Pilotprojekt prüfen,“ so Eininger weiter.

Der favorisierte Streckenverlauf

Die vom Landkreis favorisierte Lösung verläuft zunächst durch den Ortskern von Reichenbach an der Fils und quert anschließend auf Höhe der Querspange bei Reichenbach die Bahntrasse Stuttgart – Ulm. Weiter führt sie nördlich entlang der B 10, kreuzt auf Höhe von Plochingen über zwei neue Brücken die Fils und anschließend die Bahntrasse Plochingen-Horb und den Neckar, um dann südlich entlang des Landschaftsparks Bruckenwasen Richtung Deizisau zu gelangen. Zwischen Deizisau und Plochingen wird zweimal die B 10 überquert bevor in Deizisau mit einer ebenfalls neu zu bauenden Brücke der Neckar übersprungen wird. Auf der nördlichen Neckarseite quert der Radschnellweg einen Altarm des Neckars mit einer Brücke und trennt sich dann in zwei Trassen auf. Die südliche Trasse verläuft über den bestehenden Neckaruferweg bis zur Vogelsangbrücke. Hier ist in einem ersten Schritt nur der Ausbau zwischen Landratsamt und Vogelsangbrücke vorgesehen. Die nördliche Trasse unterquert die Bahngleise in Esslingen-Zell und führt dann parallel zur Bahn nach Oberesslingen. Dort verläuft die Empfehlungsvariante über die Hindenburgstraße, die Kiesstraße und die Vogelsangbrücke zurück an den Neckaruferweg. Am Neckar durchquert der Radschnellweg den geplanten neuen Neckarpark und verläuft weiter am Neckar entlang bis zum Daimler-Werk in Mettingen.

Die ausgearbeitete Variante hat den großen Vorteil, dass sie sowohl die Wohngebiete und Arbeitsplatzstandorte entlang der Strecke insbesondere in der Stadt Esslingen am Neckar erschließt. Sie schafft aber auch für den durchfahrenden Radverkehr eine schnelle und direkte Verbindung Richtung Stuttgart.

Herausforderungen

Insgesamt ist für die Herstellung des Radschnellweges der Neubau von fünf größeren Brückenbauwerken sowie zwei Unterführungen erforderlich. Die Kosten für den gesamten Radschnellweg belaufen sich auf der Grundlage einer im Zusammenhang mit der Machbarkeitsstudie ausgearbeiteten Kostenschätzung auf rund 60 Mio. Euro.

Nach Aussage des Leiters des Straßenbauamtes, Thorsten König, sei neben der Finanzierung auch die Vereinbarkeit mit dem Naturschutz eine der großen Herausforderungen. Dies gelte insbesondere für die Querung des Altarms des Neckars im Bereich des Naturschutzgebietes Alter Neckar zwischen Altbach und Esslingen-Zell.

Die Umsetzung des gesamten Bauprojekts wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Einzelne Abschnitte, vor allem im Bereich der Stadt Esslingen am Neckar, sollen aber schon deutlich früher befahrbar sein.

Verfahren

Aufbauend auf dem Radverkehrskonzept des Landkreises Esslingen wurde für eine Radschnellverbindung zwischen Reichenbach a. d. F. und Stuttgart 30 Varianten untersucht.

Neben den Kommunen konnten sich Bürger auf der Internetplattform über den aktuellen Planungsstand informieren, mitdiskutieren und Anregungen einbringen.

Insgesamt nutzen 3.500 Bürger die Möglichkeit.

Alle weiteren Informationen finden Sie auf dieser Seite unter Downloads oder als interaktive Karte unter Machbarkeitsstudie –> Empfehlungsvariante.

6 Kommentare

  1. Jochen / Antworten

    Hoffentlich knickt die Politik nicht vor dem vorhersehbaren Auto-Wutbürger-Shitstorm ein…

    Auch wenn ich die Variante 2 direkt am Neckar nach wie vor bevorzugen würde (der – garantiert – ausufernden Debatte über den Umbau Kies-/Entengrabenstraße würde man so auch entgehen…), ist es ein ordentlicher Kompromiss geworden.

    60 Millionen sind viel Geld, aber gut angelegt (zum Vergleich: die Sanierung der Esslinger Neckarbrücken liegt bei 100 Mio + X…).

    Also: Nicht von Trollen und Schreihälsen irritieren lassen. Ein RSW macht als Ergänzung von B10 und S-Bahn für das Neckartal einfach Sinn.

  2. Peter Röttgeb / Antworten

    Sind wir noch zu retten? 60 Mio für einen Radweg? Und kein Geld mehr für Basisarbeiten haben? Die Fußgängerunterführung in der Pliensau wird nicht repariert, sondern einfach die Treppe gesperrt und hier wird das Geld rausgehauen?

    1. Jochen / Antworten

      Hallo Herr Röttgeb!

      Im Zuge der Planung für den RSW (eben kein bloßer Radweg, sondern ein Radschnellweg) sollen entlang der Strecke viele Unter- und Überführungen erneuert/ganz neu gebaut werden und das – werfen Sie einen Blick in das große PDF-Dokument – meist nicht exklusiv für Radfahrer.

      Der öffentliche Raum verkommt an vielen Stellen – da gebe ich Ihnen absolut Recht! Gerade der RSW ist eine Investition in unsere Infrastruktur, die auf einem breiten Streifen quer durch die Region den öffentlichen Raum enorm aufwerten wird.

      Ihnen einen schönen Samstag!

  3. Laichinger Martin / Antworten

    Reichenbach bleibt Kampfgebiet für den Radler. Schade! Oben im Schruwald gibt es immer mehr Wohngebiete und immer noch keine Querung für Kraftfahrer sowie ganz ursprünglich als Anschluß auf der Querspange zwischen Plochingen und Reichenbach geplant. (Direktverbindung zum Stumpenhof) . Zwischen vom Stau auf der B10 geladenen Kraftfahrern soll der Radler am Ortseingang Reichenbach queren um sich dann durch Reichenbach durchzuschlagen. Selbst auf dem Radaufstellstreifen vor der Ampel, bei Rot, kommt es immer wieder zu Abdrängversuchen bzw. Angriffen. Also bitte seit ehrlich zum Bürger: Der Radschnellweg beginnt erst kurz vor Plochingen und selbst da stellt sich die Frage ob ich nicht wie bisher auf der alten B10 bis Ortseingang Plochingen durchziehe oder wird dieser Streckenabschnitt dann für Radler gesperrt?

  4. Anonymous / Antworten

    Schaun wir mal was davon übrig bleibt. Ich denke es wird eben ein ganz normaler Radweg werden. Zuviele Einsprüche, Vetos und die falsche Generation lebt leider noch. Sie wird die Notwendigkeit für Veränderungen nicht sehen (wollen). Dabei hat das Auto als selbstlenkender Individualverkehr keine Zukunft. Aber man ist eben in den Nachkriegsjahren bequem und Fett geworden. Da stört sogar zusätzlich Bewegung den selbstgerechten Alltag. In DE insbesonders sollte man die Menschen nicht mit gutem Neuen innerhalb einer Generation überfallen. Gaaaanz sachte. Bitte.

  5. Anonymous / Antworten

    Wenn Sie einen Radschnellweg bauen dann sollte das Grundsatzurteil zu benutzungspflichtigen Radwegen laut BVerwG 3 C 42.09 VGH 11 B 08.186 erfüllt sein!
    Ihre Maßnahme E68 und E69 ist rechtswidrig. Ich möchte darauf hinweisen, dass dies bereits in einem Verfahren festgestellt wurde. Bei Anwendung der Kriterien aus dem Grundsatzurteil wurde festgesetllt, dass aufgrund der vielen Ausfahrten (Lidl, Penny, Rossmann, Getränkehändler…….) die Gefahr für einen Unfall deutlich höher ist, als wenn der Radler auf der Strasse fährt. Meines Erachtens kommen die vielen Radlerunfällen nicht von der Fahrweise der Radler, sondern weil die ERA2010, die Rast06 auf welcher das Grundsatzurteil für die Benutzungspflicht basiert , nicht umgesetzt ist. Bitte setzen Sie in Reichenbach die Variante 2 oder 3 um! Spätestens wenn mich nach der Umsetzung ein Kraftfahrer blöd anmacht werden ich die Aufhebung der Benutzungspflicht beantragen und mit Sicherheit auch durchsetzen. Auch die 20 km/h Zone halte ich für nicht zielführen. Sie werden damit den Durchgangsverkehr nicht reduzieren. Wir Radler werden weiterhin von den aggresiven Schurwaldkraftfahrern überholt. Sie nehmen uns Radler mit dieser Maßnahme lediglich usneren Schutzstreifen, damit wir im Stau nicht mehr durchkommen.

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